CBD bei Epilepsie

Das Wichtigste in Kürze:

  • Epileptische Anfälle werden durch Funktionsstörungen von Nervenzellen im Gehirn verursacht, die zu synchronen elektrischen Entladungen führen

  • Es wird zwischen Gelegenheitsfällen und chronischen Epilepsien unterschieden

  • Die Ursache kann pränataler Sauerstoffmangel sein. Teilweise sind Epilepsien auch anlagebedingt

  • Akute Anfälle werden für gewöhnlich mit Benzodiazepinen behandelt, während zur Dauerbehandlung eine Vielzahl von Arzneimitteln zum Einsatz kommt

  • CBD soll unter anderem durch Auswirkungen auf Endocannabinoid-Rezeptoren im Hippocampus gegen Anfälle helfen

  • CBD-reiche Cannabis-Extrakte führten laut einer Metastudie bei circa 70 Prozent der Patienten zu weniger Anfällen

Plötzlich geht es los: Verkrampfungen im ganzen Körper, unkontrolliertes Zittern, verzweifeltes Keuchen – ein Gewitter im Kopf. Nicht jeder epileptische Anfall läuft gleich ab, aber auch mildere Formen können Betroffene ungemein beeinträchtigen. Wir gehen der Frage nach, was die Epilepsie genau ausmacht, wie Symptome und Ursachen aussehen – und natürlich, ob Cannabidiol (CBD) und andere Bestandteile der Cannabispflanze bei der Behandlung von Epilepsien helfen können.

Was ist Epilepsie? Wie sehen die Symptome aus?

Epilepsie ist genau genommen nicht eine konkrete Krankheit, sondern unter Epilepsien versteht man verschiedene, mit epileptischen Anfällen einhergehende Erkrankungen. Epileptische Anfälle werden hervorgerufen durch kurzzeitige Funktionsstörungen der Nervenzellen im Gehirn in Form vermehrter synchroner elektrischer Entladungen von Nervenzellen. Die Folge sind Verhaltens- und Befindensstörungen, die von leichten Änderungen des Bewusstseins bis hin zu extremer Anspannung der Muskulatur und den symptomatischen Zuckungen reichen. Manche Betroffene erleben lediglich ein leichtes Kribbeln in ihren Händen, andere haben mit heftigen Krampanfällen zu kämpfen, die sich über den gesamten Körper erstrecken.

Kann der Ursprungsort eines Anfalls im Gehirn auf eine Hirnhälfte lokalisiert werden, dann spricht man von einem fokalen Anfall oder einem Herdanfall. Generalisierte Anfälle zeichnen sich unterdessen dadurch aus, dass sie nicht eindeutig auf einen Herd zurückgeführt werden können. Unterschieden wird außerdem noch danach, ob eine Störung der Motorik sowie eine Bewusstseinsbeeinträchtigung auftreten.

An einer aktiven – also chronischen – Epilepsie erkrankt beinahe ein Prozent der Bevölkerung. Bis zum 80. Lebensjahr erlebt unterdessen sogar fast jeder Zehnte mindestens einen epileptischen Anfall.

Ursachen

Bei den Ursachen einer Epilespie muss vor allem unterschieden werden zwischen Gelegenheitsfällen, symptomatischen und idiopathischen Epilepsien.

Gelegenheitsfälle treten beispielsweise in Folge von Drogenmissbrauch, Fieber, extremem Schlafentzug, als Nebenwirkung von bestimmten Psychopharmaka oder in Folge von Stroboskopeffekten auf – und auch nur dann. Dabei handelt es sich also nicht um eine chronische Erkrankung.

Die Ursachen für symptomatische Epilepsien sind unterdessen noch weiter gestreut, haben aber gemein, dass sich die epileptischen Anfälle wiederholen und nicht nach kurzer Zeit oder nur einmaligem Auftreten verschwinden. Eine Ursache kann pränataler, also vor der Geburt auftretender, Sauerstoffmangel sein. Auch Stoffwechselerkrankungen, Infektionen im Gehirn, Hirnblutungen oder Gehirntumore können Ursache für eine Epilepsie sein.

Bei idiopathischen Epilepsien ist die Ursache schließlich nicht bekannt. Manche Menschen neigen anlagebedingt mehr dazu, an einer idiopathischen Epilepsie zu erkranken als andere. Einige der zahlreichen Formen der Epilepsie können also vererbt werden, viele jedoch auch nicht.

Klassische Therapiemöglichkeiten

Hinsichtlich der Therapie von Epilepsie wird unterschieden zwischen der akuten Behandlung eines Anfalls und der präventiven Dauerbehandlung, die zum Ziel hat, dass keine neuen Anfälle mehr auftreten.

Die Art der akuten Behandlung eines epileptischen Anfalls hängt stark von der jeweiligen Form der Epilepsie ab. Bei stärkeren Formen der Epilepsie werden häufig Benzodiazepine verabreicht, zum Beispiel Diazepam – besser bekannt unter dem Markennamen Valium. Mit den angstlösenden und antikonvulsiven, also krampflösenden, Benzodiazepinen sollte jedoch äußerst vorsichtig umgegangen werden, da sie schnell zu einer psychischen Abhängigkeit führen können. Sie sind aber in der Lage, vor allem langanhaltende Anfälle zu verkürzen. Um den Betroffenen davor zu bewahren, sich selbst oder andere zu verletzen, sollten Anwesende bei einem Anfall außerdem alle gefährlichen Gegenstände außer Reichweite bringen und ihn in eine stabile Seitenlage bringen. Festhalten sollte man den Epileptiker indes unter nur in Extremsituationen wie beim Schwimmen – ansonsten sollte einfach das Ende des Anfalls abgewartet werden.

Damit es gar nicht mehr zu epileptischen Anfällen kommt, erfolgt bei Epileptikern eine Dauerbehandlung. Mithilfe einer Vielzahl an Medikamenten soll die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls gesenkt werden. Arzneistoffe wie Carbamazepin, Oxcarbazepin, Phenytoin oder Lacosamid – um nur einige zu nennen – erhöhen die Reizschwelle für einen Anfall durch die Hemmung von Natrium-Ionenkanälen. Die Wahl des Medikaments hängt dabei von der Art der Epilepsie sowie etwaigen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten ab. Außerdem kann eine Vielzahl an Nebenwirkungen auftreten. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen können so künftige Anfälle verhindert werden, die Medikamente müssen jedoch in der Regel lebenslang genommen werden, da die Antiepilepitka die Anfälle nur unterdrücken, die Ursache jedoch nicht beseitigen.

Die höchste Wahrscheinlichkeit, eine Epilepsie ursächlich zu beseitigen, besteht beim Einsatz von chirurgischen Eingriffen. In bestimmten Fällen kann der Herd der Epilepsie so entfernt werden. Die Risiken eines derartigen Eingriffes sind jedoch nicht zu unterschätzen.

CBD als Mittel gegen Epilepsie?

Cannabidiol (CBD) ist genauso wie das bekanntere Tetrahydrocannabinol (THC) ein Cannabinoid, im Gegensatz zu THC aber nicht psychoaktiv und wird in Deutschland daher auch nicht als Betäubungsmittel eingestuft. CBD kommt in der weiblichen Hanfpflanze vor und wirkt sich in vielfältiger Weise auf das Endocannabinoid-System aus. Das aus den Rezeptoren CB1 und CB2 bestehende Endocannabinoid-System sorgt gewissermaßen für ein Gleichgewicht im Körper. Der Fachbegriff dafür lautet Homöostase. Die exakten Hintergründe dieser Vorgänge sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt aber verschiedene Ansätze. So gibt es etwa im Hippocampus, dem Teil des Gehirns, der sich unter anderem auf Emotionen und Erinnerungen auswirkt, eine Vielzahl an CB1-Rezeptoren. Im Hippocampus hat auch die häufig vorkommende Temporallappenepilepsie ihren Ursprung. Der Gedanke ist, dass Cannabidiol neuroprotektive Wirkungen hat und die Funktionssteuerungen der Zellen im Hippocampus verhindert.1 Außerdem verringert CBD Glutamatsynthese im zentralen Nervensystem, wodurch wiederum Entzündungen und die Häufigkeiten von Anfällen reduziert werden können.2 Das sind aber noch nicht alle Faktoren, die dazu beitragen können, epileptischen Anfällen vorzubeugen. So blockiert CBD auch NMDA-Rezeptoren, verstärkt GABA-Rezeptoren, stabilisiert Ionen-Kanäle, und das Cannabinoid soll noch weitere neuroprotektive und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Soweit zur Theorie dahinter, warum CBD gegen epileptische Anfälle helfen können soll. Aber wie sieht es in der Praxis aus?

Im November 2018 veröffentlichte ein brasilianisches Forscherteam eine Metastudie3 zur Behandlung von Epilepsie mit CBD. Dabei untersuchten die Forscher elf verschiedene Studien mit insgesamt 670 Patienten, die im Durchschnitt etwas mehr als sechs Monate behandelt wurden. Bei diesen Studien wurde der Fokus auf drei vor allem im Kindesalter auftretende Formen der Epilepsie gelegt: das Lennox-Gastaut-Syndrom, das Dravet-Syndrom sowie die durch Mutationen im Gen CDKL5 hervorgerufene Epilepsie. Dabei wurde unterschieden zwischen einer Behandlung mit reinen CBD-Präparaten sowie mit ganzheitlichen, CBD-reichen Cannabis-Extrakten.

Das Ergebnis: Die epileptischen Anfälle verringerten sich bei 71 der mit einem CBD-reichen Extrakt behandelten Patienten und bei 46 Prozent der mit reinem CBD behandelten Patienten. Einen Rückgang der Anfälle um mindestens 50 Prozent verzeichneten circa 40 Prozent der behandelten Patienten­ – sowohl bei den Patienten, die mit einem CBD-reichen Extrakt, als auch bei denen, die mit reinem CBD behandelt wurden. Auffällig war jedoch, dass die durchschnittliche tägliche Dosis des Extrakts bei sechs Milligramm pro Kilogramm lag, während die Dosis an reinem CBD bei durchschnittlich 25,3 Gramm pro Kilogramm lag.

Von leichten Nebenwirkungen wie vermindertem Appetit oder Schläfrigkeit berichtete ungefähr ein Drittel der mit dem CBD-reichen ganzheitlichen Extrakt behandelten Patienten, während das CBD-Isolat bei 73 Prozent der Behandelten leichte Nebenwirkungen hervorrief.

CBD-reiches Cannabis-Extrakt: Eine legitime Hilfe gegen Epilepsie

Ein Cannabis-Extrakt mit hohem CBD-Gehalt ist reinem CBD-Isolat in Bezug auf die Behandlung von epileptischen Anfällen klar vorzuziehen. Das Extrakt wirkte nicht nur bei mehr Patienten, die Behandelten benötigten auch weniger davon. Zuzuschreiben ist das wohl dem Entourage-Effekt, der besagt, dass die verschiedenen Wirkstoffe im Cannabis zusammen mehr bewirken, als es die einzelnen Wirkstoffe je könnten. Auch CBD-Isolat kann aber effektiv sein bei der Behandlung einer Epilepsie.

Die Wissenschaft findet immer mehr darüber hinaus, wie CBD und die anderen Bestandteile der Cannabis-Pflanze genau auf das Endocannabinoid-System und unseren Körper im Ganzen einwirken. Es gibt verschiedene Ansätze, die zum Teil auch sehr fundiert sind. Gänzlich ist dieses Mysterium aber noch nicht entschlüsselt. Was wir jedoch bereits wissen, ist, dass CBD und Co. vielen Menschen bereits bei der Bekämpfung von epileptischen Anfällen geholfen haben. Nicht jeder reagiert gleich auf das Cannabis-Extrakt, aber Epileptiker sollten ernsthaft in Betracht ziehen, das nebenwirkungsarme, natürliche und pflanzliche Mittel auszuprobieren.

  1. Gloss, D. & Vickrey, B. Cannabinoids for epilepsy. Cochrane database of systematic reviews (Online) 6. CD009270. 2012: https://www.researchgate.net/publication/225305263_Cannabinoids_for_epilepsy
  2. Devinsky, O. et al. Cannabidiol: Pharmacology and potential therapeutic role in epilepsy and other neuropsychiatric disorders. Epilepsia 55. 2014: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24854329
  3. Pamplona, F. A. et al. Potential Clinical Benefits of CBD-Rich Cannabis Extracts Over Purified CBD in Treatment-Resistant Epilepsy: Observational Data Meta-analysis. Frontiers in neurology vol. 9: 759. 2018: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fneur.2018.00759/full